"Die digitale Umsetzung der Lehrveranstaltung ist ein vollwertiger Ersatz der Präsenzlehre." trifft voll zu: 5% trifft eher zu: 21% trifft teilweise zu: 38% trifft eher nicht zu: 21% trifft nicht zu: 15%Aufgrund der Corona-Pandemie finden auch an der WiSo-Fakultät Lehrveranstaltungen im Sommersemester ausschließlich mittels digitaler Lehr- und Betreuungsmethoden statt. Einige Wochen nach Beginn der Vorlesungszeit haben wir Lehrende zu einer Online-Befragung eingeladen: Wir wollten besser einschätzen können, wie sie zurechtkommen und was gut oder weniger gut funktioniert. Sehen Sie hier eine Darstellung der Ergebnisse.

Die Befragung fand Mitte Mai 2020 statt. Wir orientierten uns in Abstimmung mit dem Studiendekanat weitgehend an einer Befragung, die zeitgleich an der MIN-Fakultät durchgeführt wurde. Etwa 320 Lehrende wurden zur Teilnahme eingeladen, 90 Mal wurde der Online-Fragebogen beantwortet, davon 7 Mal teilweise. Sogenannte Cookies erschwerten Mehrfachteilnahmen. In die nachfolgende Darstellung fließen an manchen Stellen auch Eindrücke und Erfahrungen aus dem Support des eLearning-Büros ein.

Zusammenfassung

Das Lernmanagementsystem OpenOLAT ist unter den Lehrenden, die an der Befragung teilgenommen haben, weit verbreitet. CommSy hat dagegen seine bisherige Rolle als wichtigste Lernplattform eingebüßt. Die mit Abstand meistgenutzte Plattform – nach STiNE – ist zoom.

Neu ist die breite Nutzung von Lecture2Go. Mehr als einhundert Lehrende der Fakultät publizieren dort selbständig Videos. Bislang hatten dort nur die eLearning-Büros und das RRZ regelmäßig Aufnahmen veröffentlicht.

Die digitale Umsetzung der Lehrveranstaltungen ist für ein Viertel der Antwortenden ein weitgehender Ersatz der Präsenzlehre. Am ehesten lassen sich demnach Vorträge und Lehrtexte digitalisieren. Auch die Betreuung kann aus Sicht der Teilnehmenden in weiten Teilen gut online stattfinden. Nur schlecht funktioniert das aber mit den meisten methodischen Ansätzen eines aktiven Lernens.

Bei zwei von fünf Lehrenden treten im Kontext Lehre mindestens manchmal technische Probleme auf. Fast jede*r Dritte wendet sich dann gelegentlich an das eLearning-Büro. Die mit Abstand wichtigste Unterstützungsfunktion hat jedoch der Austausch mit anderen Lehrenden. Gespräche und eMails, aber auch Informationsangebote auf Webseiten sind sehr gefragt.

Häufigster Wunsch ist – neben einer Ausweitung des praktischen Erfahrungsaustauschs – Entlastung beim Faktor Zeit.

Technik

Lernplattformen

  • OpenOLAT: Weite Verbreitung an der Fakultät und hohe Zufriedenheit unter den Nutzer*innen (67% der Antwortenden nutzen die Plattform und 58% bewerten die Nützlichkeit positiv);
  • CommSy: Im Vergleich zu OpenOLAT deutlich geringere Verbreitung und Zufriedenheit (24% nutzen die Plattform, 15% bewerten Nützlichkeit positiv).

Campus Management

  • STiNE: Größte Verbreitung, jedoch relativ geringe Zufriedenheit.

Videopublishing

  • Lecture2Go: Die Hälfte der Antwortenden nutzt Lecture2Go, und die Zufriedenheit ist groß
    (53% nutzen die Plattform, 49% bewerten Nützlichkeit positiv).
  • Bemerkenswert erscheint in diesem Zusammenhang,
    1. dass nachweislich mittlerweile 100 Lehrende der Fakultät von der neuen Möglichkeit Gebrauch machen, selbständig auf Lecture2Go Videos zu publizieren;
    2. dass fachspezifische Videoproduktionen zunehmend und schon vor der Corona-Pandemie angefragt werden (auch im Kontext Forschungskommunikation).

Videokonferenz

  • Zoom: Die Plattform ist unter den antwortenden Lehrenden äußerst beliebt (81% nutzen die Plattform, 78% bewerten Nützlichkeit positiv);
  • MS Teams ist demgegenüber deutlich weniger verbreitet und überzeugt selbst in der Nutzer*innengruppe weniger (48% nutzen die Plattform, 32% bewerten Nützlichkeit positiv).
  • DFNconf mit Pexip und Adobe Connect: Obwohl zu Beginn des Digitalsemesters aufgrund von Überlastrisiken von der Nutzung dieser Dienste abgeraten wurde, gibt es einzelne Lehrende, die diese Tools aufgrund ihrer Vorerfahrungen gern und erfolgreich eingesetzt haben (zumal beide Dienste unkompliziert mittels Benutzerkennung genutzt werden können und das DFN-Connect an OpenOLAT angebunden ist).

Medienproduktion

  • OBS (Open Broadcaster Software): Wird von rund einem Viertel der Befragten genutzt, bei hoher Zufriedenheit (26% nutzen die Software, 24% bewerten Nützlichkeit positiv);
  • Vertonte Präsentationen (z.B. Powerpoint) nutzt jede*r zweite (50% nutzen die Plattform, 38% bewerten Nützlichkeit positiv).

Externe Dienste

  • Ungeachtet der zentralen Vorgabe, nach der Mitglieder der UHH schon aufgrund von Datenschutz- und IT-Sicherheitsanforderungen im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit für die UHH prinzipiell am besten nur Dienste des RRZ nutzen sollen, wählen nicht wenige Lehrende externe Anwendungen wie beispielsweise Padlet (9%), mentimeter, Google Docs oder we transfer.
Antwortverteilung bei der Frage, wie gut die Lehrenden mit bestimmten Werkzeugen ihre Lehre digital umsetzen können. Bemerkenswert erscheint insbesondere die weite Verbreitung von OpenOLAT im Vergleich zum WiSoCommSy. Und die sehr weit verbreitete Nutzung und Zufriedenheit mit Zoom.

Zwei Drittel der Antwortenden nutzen OpenOLAT. Dagegen wirkt CommSy fast unbedeutend. Noch wichtiger als die klassische Lernplattform OpenOLAT ist jedoch zoom. Und Lecture2Go ist seit dem Digitalsemester ein Portal, auf dem Lehrende selbst publizieren (und nicht nur eLearning-Büros und RRZ).

Didaktik

  • Für etwa ein Viertel der Lehrenden, die an der Befragung teilgenommen haben, ist die digitale Umsetzung ihrer Lehrveranstaltungen ein weitgehender Ersatz der Präsenzlehre. Für weitere 37% trifft dies teilweise zu.
"Die digitale Umsetzung der Lehrveranstaltung ist ein vollwertiger Ersatz der Präsenzlehre."trifft voll zu: 5% trifft eher zu: 21% trifft teilweise zu: 38% trifft eher nicht zu: 21% trifft nicht zu: 15%

Ein Viertel der Lehrenden stimmt der Aussage zu, dass die digitale Umsetzung der Lehrveranstaltung ein vollwertiger Ersatz der Präsenzlehre sei.

  • Die Teilnehmenden geben an, dass sie vor allem Vorträge und Lehrtexte gut digital umsetzen können, gefolgt von Videos.
  • Weniger gut können die Antwortenden die Inhalte anhand interaktiver Medien oder Lehrbücher digital vermitteln.
Wie gut können Sie die Vermittlung der Inhalte digital umsetzen? Lehrbuch am schlechtesten, Vortrag am besten

Vorträge lassen sich für viele Lehrende gut digital umsetzen, Lehrbücher dagegen nur für wenige.

  • Frage-Antwort-Ansätze und Präsentationen kann jeweils eine knappe Mehrheit der Lehrenden eher gut digital umsetzen. Wobei weiterhin zahlreiche Lehrende jede der genannten Formen eines aktiven Lernens als ungeeignet für eine Digitalisierung erachten (mit den zur Verfügung stehenden Werkzeugen).
  • Am schwierigsten lassen sich unter den gegebenen Rahmenbedingungen aus Sicht der Teilnehmenden die praktische Anwendung und ein Entdeckendes Lernen digitalisieren.
Wie können Sie ein aktives Lernen mit den digitalen Werkzeugen ermöglichen? Entdeckendes Lernen am schlechtesten, Frage-Antwort am besten.

Formen des aktiven Lernens können viele Lehrende mit den digitalen Werkzeugen nur schwer umsetzen. Das gilt insbesondere für Diskussionen.

  • Recht positiv bewerten die Lehrenden insgesamt die Möglichkeiten der Betreuung mit digitalen Werkzeugen. Rund zwei Drittel der Antwortenden finden, die Beratung, das Feedback und die Ansprache könnten sie mindestens „eher gut“ digital umsetzen.
Wie gut können Sie die Betreuung der Studierenden mit den digitalen Werkzeugen umsetzen? Beratung am besten, Zusammenarbeit am schlechtesten.

Die digitalen Werkzeuge eignen sich recht gut für Beratung, Feedback und Ansprache, aber weniger für die Zusammenarbeit.

Unterstützung

  • Bei etwa 40% der Antwortenden treten in der digitalen Lehre gelegentlich oder öfter technische Probleme auf.

Wie häufig treten technische Probleme bei der digitalen Lehre auf? Die meisten antworten selten.

  • Im Vergleich der institutionalisierten Anlaufstellen wird am häufigsten der RRZ-Support in Anspruch genommen, den Angaben zufolge von 39% wenigstens „manchmal“.
  • Den fachspezifischen Support des eLearning-Büros nehmen 31% der Teilnehmenden manchmal oder öfter in Anspruch.
    Realistisch dürfte der Anteil höher liegen, denn erfahrungsgemäß werden Support-Antworten aus dem eLearning-Büro via Funktionspostfach und Ticketsystem oftmals dem RRZ zugeschrieben.
  • Den Support der Studienbüros nehmen 21% der Antwortenden in Anspruch und den vom DLL/HUL 19%.
  • Bemerkenswert erscheint die entscheidende Bedeutung des kollegialen Erfahrungsaustauschs: 72% der Teilnehmenden nehmen manchmal oder öfter die Unterstützung anderer Lehrender in Anspruch.
    Kollegiale Beratungen und bewährte Beispiele von anderen Lehrenden werden auch in der offenen Antwortmöglichkeit als häufigster Wunsch genannt.
Welchen Support nehmen Sie im Rahmen der Umsetzung Ihrer digitalen Lehre in Anspruch? Am meisten Andere Lehrende, am wenigsten Fachbereich:Studienbüro.

Den Support von Kolleg*innen nehmen Lehrende am häufigsten in Anspruch – auch im Vergleich mit den Anlaufstellen der Zentrale und der Fakultät.

  • Dazu passt, dass rund jede dritte Antwortende persönliche eMail-Kontakte und Gespräche hilfreich findet.
  • Eine wichtige Unterstützungsfunktion haben außerdem Informationen auf Webseiten und Online-Tutorials.
Welche Art von Unterstützung ist für Sie hilfreich? Am meisten E-Mail, am wenigsten Online-Workshops.

Am hilfreichsten finden Lehrende Unterstützung via Mail, Infos auf Internetseiten und Gespräche.

  • Im Freitext und im Austausch mit dem eLearning-Büro wurde häufig der Wunsch geäußert, dass die Versorgung mit Software und methodenspezifischen Weiterentwicklungen schneller und offener für Wünsche der user sein müsse.
  • Laut Befragung und direkter Rückmeldungen sehnen sich viele Lehrende im Kontext der Digitalisierung nach zeitlicher Entlastung – etwa durch mehr Unterstützung oder durch eine Berücksichtigung ihres Mehraufwands durch eine vorübergehende Reduktion ihres Lehrdeputats.[1]

Frei formulierte Kritik und Wünsche

6 Nennungen

  • Mehr Austausch/Beispiele Lehrender
  • Entlastung Zeit

5 Nennungen

  •  Lob/ausdrücklich kein zusätzlicher Bedarf

4 Nennungen

  • Umfassenderer Software-Support/zusätzliche Lizenzen

3 Nennungen

  • Individuelle Betreuung/Support
  • Kritik: Inkonsistente Vorgabe asynchrone vs. synchrone Lehre

2 Nennungen

  • Vorlagen/Vorgaben für einheitliches Vorgehen bzgl. Tools/Methoden
  • Mehr didaktische Inspiration
  • Bessere Hardware-Ausstattung

1 Nennung

  • Mehr Anerkennung/Reputation für Lehr-Engagement
  • Studierendenperspektive einbeziehen!
  • L2Go:
    • Weiterentwicklung Rollen/Rechte
    • Performance verbessern
    • Usability verbessern
  • Professionelle Videoproduktion durch Support
  • OO: Performance  verbessern
  • DFNconf: Performance verbessern
  • STiNE: Terminanpassungen ermöglichen
  • Digitalisierung Texte/Scan Service zügiger
  • Zusammenführung Online-Infos/-Hilfen

Persönliches Fazit

  • Jenseits akuter technischer Störungen brauchen Lehrende vor allem fachnahe Unterstützung
    1. durch kollegialen Austausch, der zukünftig stärker organisiert werden sollte, und
    2. einen kapazitätsmäßig belastbareren, methodisch und technisch qualifizierten Support vor Ort, der informiert, dokumentiert, berät und unterstützt.
  • Was die Lernplattformen angeht, so ist einerseits Funktionsvielfalt gefragt, um fachspezifische Lernumgebungen differenziert gestalten zu können. Andererseits muss Technik intuitiv bedienbar sein, damit ihre Aneignung und Bedienung möglichst wenig Zeit und Ablenkung erfordert. Diese gegenläufigen Anforderungen müssen durch exzellente Usability, Dokumentationen und Schulungen bestmöglich vereint werden.
  • Die Anforderungen an die Funktionsvielfalt der digitalen Plattformen sind aus Sicht der WiSo besonders groß, da es das Ziel sein muss, die Vermittlung und die realistische Anwendungssimulation von digitalen Forschungsmethoden in die Plattformen zu integrieren. Gefragt sind somit
    1. eine kapazitätsmäßig breit fundierte und methodisch wie technisch qualifizierte Mitwirkung der Fakultät an der Anforderungsdefinition und Priorisierung von Weiterentwicklungen an den Plattformen;
    2. finanzielle Mittel für fachspezifische Weiterentwicklungsaufträge und ggf. Neulizenzierungen.
  • Die hohe Unzufriedenheit mit dem obligatorischen campus management system STiNE spricht für eine stärkere Integration mit oder sogar teilweise Ablösung durch OpenOLAT.
  • CommSy hat massiv an Bedeutung verloren und scheint insofern vor allem zur Unübersichtlichkeit der Plattformlandschaft beizutragen.
  • Infolge der Maßgabe zu Beginn des Digitalsemesters, vorzugsweise asynchron Lernmedien bereitzustellen, haben Lehrende einen nie dagewesenen Erfahrungssprung mit eigenen Lehrvideos gemacht; eine Entwicklung, die den allgemeinen Bedeutungszuwachs von Video im Internet im vergangenen Jahrzehnt gleichsam aufholt. Daraus ist ein im Umfang und im Qualitätsbewusstsein spürbar gestiegener Anspruch entstanden, mehr audiovisuelle Medien in förderlicheren Rahmenbedingungen und mit professionellerer Unterstützung konzipieren und umsetzen zu können. Es zeigt sich bereits im Austausch mit Lehrenden, dass die Bereitschaft, weiterhin Lehrvideos ohne konzeptionelle Beratung und technische Umsetzung durch qualifizierte Dritte selbst zu erstellen, mit Blick auf künftige Semester abnimmt.
  • Das Fehlen qualifizierter Unterstützung bei der Produktion von audiovisuellen Medien (wie sie studentische Hilfskräfte weder in konzeptioneller, noch in technischer oder organisatorischer Hinsicht befriedigend leisten können) widerspricht letztlich auch dem Open Access-Leitbild der UHH, dem sich nur verpflichten wird, wer professionell produzierte Medien veröffentlichen kann.
  • Die hohe Durchdringung der Lehre (und ebenso der Forschungskommunikation und der Zusammenarbeit in der akademischen Selbstverwaltung) mit Videokonferenzen erfordern
    1. zum einen eine zahlenmäßig umfassende und hochwertige Ausstattung der Lehrenden mit Hardware (Webcams und Mikrofone).
    2. Zweitens wird zunehmend qualifizierte Beratung gewünscht: Etwa, wie sich bestimmte Lehr-, Betreuungs- und Prüfungsszenarien in Videokonferenz mit zusätzlichen Optionen (virtuelle Whiteboards, Breakoutrooms usw.) umsetzen lassen oder wie sich Studierende im virtuellen Meeting aktivieren lassen.
  • Die relativ breite Nutzung der professionellen Open Broadcaster Software deutet auf einen fachspezifischen Gestaltungsanspruch vieler Lehrender an Videopublikationen, was erneut qualifizierte Ansprechpartner*innen zur Unterstützung erfordert.
  • Der Erfahrungssprung unter Lehrenden mit vertonten Präsentationsaufzeichnungen und das gleichzeitig hohe Vertrauen in die didaktische Wirksamkeit digitaler Vorträge lassen erahnen, dass Lehrende auch in Zukunft Grundlagenwissen häufiger in Videos für das Selbststudium anbieten könnten. Damit könnten synchrone Online-Termine oder auch Präsenzveranstaltungen deutlich diskursiver gestaltet werden als frühere Vorlesungen. Ein solcher Trend hin zu flipped classroom-Ansätzen erforderte aber erneut didaktische Beratung und qualifizierten technischen Support.

[1] Was wohl von einem Ressourcendefizit verhindert wird, jedenfalls nicht vom Gesetz: §17 LVVO ermöglicht, die Lehrverpflichtung für die Entwicklung von Online-Veranstaltungen nach § 5a zu ermäßigen (vgl. http://www.landesrecht-hamburg.de/jportal/portal/page/bshaprod.psml?nid=p&showdoccase=1&doc.id=jlr-LVerpflVHA2004V4P17&st=lr).

Daten der geschlossenen Fragen im Detail (PDF)